Mittwoch, 13. Juli 2011

500 Jugendliche beim Dortmunder Schulstreik gegen Atomkraft


Trotz schlechtem Wetter und teilweise massiver Repression an Schulen folgten viele SchülerInnen, Studierende und Azubis dem Aufruf der Jugendaktion Abschalten Sofort.

Sie machten mit einer kämpferischen Demonstration und Sitzblockaden an wichtigen Verkehrsknotenpunkten deutlich, dass die Proteste für den Atomausstieg weitergehen müssen.


von Sebastian Förster, Dortmund


"Wir wissen, dass wir den PolitikerInnen nicht glauben können. Oft genug haben sie uns belogen. Wir selber müssen aktiv werden!" betonte Maarie von der Jugendaktion Abschalten Sofort in ihrer Begrüßungsrede.

Aufgrund des Drucks durch die Demonstrationen in den letzten Wochen lässt die Bundesregierung acht AKWs ausgeschaltet, was ein Erfolg für die gesamte Anti-Atomkraft-Bewegung ist. Dass neun weitere Atomkraftwerke aber teilweise noch elf Jahre laufen sollen und selbst diese Laufzeiten noch in den nächsten Jahren von den Herrschenden verlängert werden können, ist ein Skandal. "Mindestens elf Jahre mal 365 Tage Fukushima-Gefahr geht gar nicht!" rief Philipp von der Jugendaktion während seines Redebeitrags und stellte heraus, dass jetzt alle AKWs abgeschaltet werden müssen. Ricarda, Linksjugend ['solid]- und SAV-Mitglied, unterstrich in ihrer Rede, dass die Energiekonzerne enteignet und unter demokratische Kontrolle gestellt gehören und der Widerstand gegen Atomkraft auch mit dem Kampf für eine sozialistische Welt verbunden werden muss, in der die Interessen von Mensch und Natur zählen und nicht die Profite.

Mobilisierung


Die Jugendaktion Abschalten Sofort Dortmund hatte sich kurz nach der Fukushima-Katastrophe im März auf Initiative von SAV- und Linksjugend ['solid]-AktivistInnen kurz nach der Fukushima-Katastrophe gegründet. Mit dazu kamen noch Mitglieder der BezirksschülerInnen-Vertretung, des Bildungsstreikbündnisses und der Grünen Jugend, die Mehrzahl der Initiative ist jedoch unabhängig.

Mit fünf öffentlichen Veranstaltungen, fünf Aktionen in der Innenstadt und an Schulen sowie unzähligen Flyerverteilungen wurde im Vorfeld zum Schulstreik mobilisiert. Von den Schulen, an denen mehrere UnterstützerInnen der Jugendaktion im Vorfeld aktiv waren und mobilisiert hatten, kamen besonders Viele mit. Am Leibnitz-Gymnasium zog bereits am Morgen eine Demonstration mit 50 SchülerInnen los.

Für den Streik hatte die Jugendaktion folgende Forderungen aufgestellt:

  • sofortige Abschaltung aller AKW
  • Förderung alternativer Energien
  • Auflösung von Energiemonopolen
  • Überführung der Energiekonzerne in öffentliche Hand, Kontrolle und Verwaltung durch Beschäftigte und Umweltverbände

Demonstration ein Erfolg

Auch wenn viele Schulleitungen und LehrerInnen mit Drohungen von Schulverweisen und Tadel versuchten SchülerInnen von der Demonstrationsteilnahme abzubringen, so kamen doch Viele zur Demo. Auch die Polizei erschwerte den Demonstrationsablauf, so wurde ein Schüler wurde von einem Beamten brutal ins Gesicht geschlagen. Dass Abfilmen des Demonstrationszuges konnte schließlich dadurch gestoppt werden, dass die Demonstration mittels Abstimmung geschlossen erklärte, eine Sitzblockade nicht eher zu beenden als bis die Kameras eingefahren werden. Dass 500 SchülerInnen dem Aufruf folgten wurde von der Jugendaktion Abschalten Sofort als Erfolg gewertet. Die TeilnehmerInnenzahl ist auch vor dem Hintergrund beachtlich, dass die bundesweite Anti-AKW-Bewegung nach dem Pseudo-"Ausstieg" der Bundesregierung (und der Unterstützung von SPD und Grünen) stark zurückgegangen ist und bis auf die Montagsdemos nicht mehr existent ist.

Das Thema Atomkraft wird aber weiterhin präsent sein - und der Kampf für die sofortigen Atomausstieg muss weiter gehen. Spätestens mit den Castortransporten im November werden bundesweite Massenmobilisierungen weitergehen.

Die Jugendaktion in Dortmund trifft sich am kommenden Montag, den 18.7.2011 um 17 Uhr im Fritz-Henßler-Haus nahe des Hauptbahnhofs um die nächsten Aktivitäten zu besprechen.