Sonntag, 16. Oktober 2011

Augen­zeugen­bericht von #Occupy Wall Street in New York

„We are the 99 percent!“

Inspi­riert durch die Be­we­gung der „Em­pör­ten“ in Süd­eu­ro­pa und die ara­bi­sche Re­vo­lu­tion fan­den am 15. Oktober 2011 in­ter­na­tio­na­le Pro­tes­te in über 80 Län­dern statt: in Nord­ame­ri­ka, Asi­en und Eu­ro­pa. Die Be­setz­ung­en an der New Yorker Wall Street, der „Höhle des Löwen“, gaben dem Au­fruf für den 15. Oktober aber eine neue Qualität.

von Linda und Sebastian

In den USA war dieser Tag ein Höhe­punkt der Be­we­gung, die am 17. Sep­tem­ber mit einer Be­setz­ung des Zuc­cotti-Parks in Lower Man­hat­tan un­weit der Wall Street, dem Fi­nanz­zen­trum der USA be­gann. Vor allem gegen die Macht der Ban­ken, gegen Kor­rup­tion, So­zial­ab­bau und Krieg gingen in ver­schie­den­en Städten wie Washing­ton, Bos­ton und Chi­ca­go, Los Ange­les, Miami und Phila­del­phia zehn­tau­sen­de Men­schen auf die Straße.

Die mit Ab­stand größ­ten Pro­tes­te fanden aber in New York statt. Er­mu­tigt davon, dass die Po­li­zei am Frei­tag Mor­gen den be­setz­ten Zuc­cotti-Park nicht räu­men konn­te, gab es dort die größ­ten De­mons­tra­tio­nen seit Be­ginn der Be­we­gung.

Be­ginn­end mit über 1.000 Ak­ti­vis­tIn­nen, die sich am frühen Mor­gen im be­setz­ten Zuc­cotti-Park zu­sam­men­fan­den, gab es gegen Mit­tag einen De­mons­tra­tions­zug mit 2.000 Ju­gend­lich­en und Ge­werk­schaf­ter­In­nen (vor allem aus dem Ge­sund­heits- und Schul­we­sen) zu einer Ver­samm­lung von ca. 1.000 Schü­ler­In­nen und Stu­die­ren­den im Washing­ton Square Park, die be­schlos­sen, sich Occupy Wall Street an­zu­schlie­ßen. Zwi­schen­zeit­lich gab es eine ver­such­te Be­setz­ung einer na­he­ge­le­gen­en Citi-Bank, bei der al­ler­dings 24 Ak­ti­vis­tIn­nen ver­haf­tet wurden.

Bis spät in den Abend kamen dann bis zu 20.000 Men­schen an den Times Square um gegen die Pro­fi­teu­re der Krise, die Bän­ker und Spe­ku­lan­ten zu pro­tes­tie­ren. Gegen 21 Uhr wurde der Washing­ton Square Park von 700 Ak­ti­vis­tIn­nen be­setzt. Am Rande gab es immer wieder Pro­vo­ka­tio­nen und Über­griffe der Po­li­zei, ins­ge­samt wurden über 70 Per­so­nen fest­ge­nommen.

Die Stim­mung in in Man­hat­tan war kämpf­er­isch, auch wenn die For­de­rung­en vieler Teil­neh­mer­In­nen weit aus­ein­an­der gin­gen. Wäh­rend einer­seits die Rede von Klas­sen­kampf und Re­vo­lu­tion war, hiel­ten An­de­re noch große Illu­sio­nen auf “ihren Prä­si­den­ten” Barack Oba­ma und for­der­ten ihn z. B. auf, zu un­ter­su­chen, welche Par­la­men­ta­ri­er Geld von großen Kon­zer­nen be­ziehen.

Wie sich bei Rede­bei­trä­gen wäh­rend der Kund­ge­bung­en, aber auch in den zahl­losen Dis­kus­sio­nen am Infotisch der Socia­list Alter­na­tive, der US-ame­ri­ka­ni­schen Schwes­ter­or­ga­ni­sa­tion der SAV, zeig­te, ver­band viele De­mons­tran­tIn­nen aber das große Selbst­be­wusst­sein und der Stolz, dass „hier end­lich mal etwas pas­siert“ und man „dabei ist, Ge­schich­te zu schrei­ben“, wie sinn­ge­mäß der linke Filme­macher Michael Moore in einem TV-Inter­view sagte.

Er­staun­lich hoch war neben der Frage, wie die Be­we­gung weiter machen kann, auch das Interesse an so­zia­lis­tisch­en Ideen und wie eine andere Gesellschaft aussehen könnte.

Viele mein­ten, dass #Occupy Wall Street nur der An­fang sein könne, die Dinge zu ver­än­dern, und dass der Kampf nach die­sem erfolg­rei­chen inter­na­tio­na­len Akt­ions­tag wei­ter­ge­hen muss und es drängt, die Be­we­gung auf brei­tere Füße zu stellen.

Weitere Infos:
www.occupywallst.org
www.socialistalternative.org